Ökumenische Andacht am Dienstag, 26. März 2019 in Lübeck

Die bereits im Gemeindebrief für März angekündigte Ökumenische Andacht fand am Abend des 26. März in unserer Kirche in Lübeck vor 109 Teilnehmern statt.

Schon vor Beginn konnten alle, die etwas früher gekommen waren, ein Ensemble aus Mitgliedern der evangelisch reformierten und der neuapostolischen Gemeinde kennenlernen. Zu Beginn begleitete dieses Ensemble im Wechsel mit der Orgel den gemeinsam gesungenen Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehre“.

Apostel Steinbrenner sprach ein Gebet, dann trug eine Gruppe von Sängern aus dem Lübecker Gemeindechor die Motette „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses“ von Eduard Grell vor. Anschließend leitete Apostel Steinbrenner die Veranstaltung mit wenigen Worten ein.

Im Zuge seiner ökumenischen Kontakte sei der Gedanke entstanden, nicht immer nur die gegenwärtig bestehenden Möglichkeiten und Grenzen gemeinsamen Wirkens abzuwägen, sondern ein solches Zusammenwirken zu praktizieren. Die jetzt erlebte gemeinsame Andacht sei das Ergebnis entsprechender Gespräche. Der Apostel ging darauf ein, dass wir das Leben in einer Gesellschaft teilten, in der der christliche Glaube nicht mehr für selbstverständlich gehalten und praktiziert werde. Wir seien auf dem Weg zu einem gemeinsamen Zeugnis für Christus. Er merkte an, dass die Andacht in der Passionszeit stattfinde, in der wir uns an Christi Leiden und seinen Tod am Kreuz erinnern. Er hob hervor, dass das Kreuz für uns Heutige auch ein Zeichen des Sieges sei, den Christus über Sünde und Tod errungen habe.

Pastor Martin Haasler, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Schleswig-Holstein, knüpfte an die Worte des Apostels an. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Neuapostolische Kirche sich mit ihrer Bitte um Gastmitgliedschaft an die ACK gewandt habe. So sei die Neuapostolische Kirche jetzt auf Bundes- wie auf Landesebene Gastmitglied in der ACK. Man gehe aufeinander zu in einer Zeit, in der der Glaube in unserer Gesellschaft im Schwinden begriffen sei, während in anderen Teilen der Welt Christen bereit seien, für ihren Glauben Verfolgung und Tod auf sich zu nehmen. Es sei auch nicht zu übersehen, dass die Angehörige unterschiedlicher christlicher Konfessionen in der Vergangenheit oft wenig christlich miteinander umgegangen seien. Auch an dieses Leiden sei zu erinnern, vor allem aber wolle man Versöhnung schaffen, wo es noch daran fehle.

Wenn Apostel Steinbrenner das Kreuz als Zeichen des Sieges hervorgehoben habe, sei genauso wahr, dass es zunächst ein Folterinstrument und Werkzeug zur grausamen Hinrichtung von Menschen gewesen sei. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus hätten Niederlage und Tod vor Augen gehabt. Dann sei jemand zu ihnen getreten, der ihnen eine andere Sicht der Dinge vermittelt habe. Er habe ihnen das Brot gebrochen, er teilte mit ihnen, was zum Leben nötig ist. Gleichzeitig tat er das, was für ihn besonders charakteristisch war – und daran hätten sie Christus erkannt. Ihnen wurde klar, dass ihr Herz neu entbrannt war. Der ökumenische Gedanke habe auch etwas damit zu tun, dass man das teile, was in den verschiedenen christlichen Gemeinschaften vorhanden sei. Beim Teilen werde es mehr – so wie in dem biblischen Wunder der Brotvermehrung. Wenn man sich füreinander öffne, bestehe die Möglichkeit, dass man gemeinsam neuen Eifer für Christus erlebe, dass die Herzen neu entbrennen könnten. Ein Zusammentreffen unterschiedlicher christlicher Traditionen und Kulturen könne alle bereichern. Mehr Verständnis füreinander und ein gemeinsames Zeugnis für Christus sei heute möglich, und gemeinsam warte man auf den wiederkommenden Christus.

Pastor Haaslers Worte wurden vom Jugendchor umrahmt.

Es folgte eine Predigt von Frau Pastorin Akkermann Dorn (Evangelisch-reformierte Kirche Lübeck) über Jesaja 55, 8-11.

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

In ihrer Predigt stellte uns Frau Akkermann-Dorn die Gemütsverfassung vor Augen, in der sich die Israeliten befinden mochten, als sie nach der Zerstörung Jerusalems schon längere Zeit in Babylon waren. Sie waren gewaltsam aus ihrer Heimat fortgeführt worden, ihre Hoffnung auf eine baldige Rückkehr war enttäuscht worden so wie zuvor ihr Vertrauen darauf, dass Gott einen Fall Jerusalems und die Zerstörung des Tempels nicht zulassen werde. Manche passten sich der Umwelt an, wandten sich gar den Göttern der Babylonier zu. Andere hielten an der Hoffnung auf Rückkehr fest, darin bestärkt durch die Verheißungen, die Gott ihnen durch den Propheten gab.

Tatsächlich kehrte ein Überrest von den Gefangenen aus Babel nach Jerusalem zurück und baute den Tempel und die Stadt wieder auf. Es war nicht mehr derselbe Tempel wie zuvor, auch die Gesellschaft war nicht einfach so wie früher. Es war eine neue Gesellschaft, in der der überlieferte Glaube wieder seinen Platz hatte. Die Erfahrungen aus dem Exil prägten den Blick auf den überlieferten Glauben, und dieser Glaube beleuchtete die Erfahrungen, die man im Exil gemacht hatte wie auch die neue Gesellschaft, in der man sich befand.

Frau Akkermann-Dorn übertrug dies auf die Situation des Christentums in einer Gesellschaft, in der in den Kirchengebäuden viele Plätze leer bleiben, die früher besetzt waren. Die Worte des Propheten können auch heute Hoffnung vermitteln und Orientierung für einen ökumenischen Aufbruch geben. Die Christen hätten die Bibel als gemeinsamen Schatz gehabt, sie aber im Lichte ganz unterschiedlicher Traditionen gedeutet. Statt die Vielfalt solcher Deutungen und Traditionen als Bereicherung zu empfinden, hätte man einander bekämpft. Jeder habe geglaubt, Gott richtig verstanden zu haben. Auch die Zeitumstände und das jeweilige kulturelle Umfeld seien prägend für unsere Erkenntnis Gottes. Das Textwort erinnere daran, dass Gott größer sei als alles, was wir Menschen über ihn erkennen könnten. Seine Gedanken seien aber höher als unsere Gedanken. Er schenke sein Wort so reichlich wie er es regnen lasse.

Die Predigt mündete in einen Appell, offen für einander zu sein, eingedenk der Tatsache, dass wir Gottes Gedanken nicht verstehen könnten. Wohl aber könnten wir einander besser kennenlernen und darüber staunen, was wir dabei entdecken. Wir könnten auf Gottes Zusage vertrauen, dass sein Wort ausrichten werde, wozu er es sende. Dadurch werde keine Kirche bleiben wie sie in der Vergangenheit war. Aber das Vergangene werde auch nicht einfach aufgegeben, es erscheine in einer durch ökumenische Kontakte bereicherten Christenheit in neuen Zusammenhängen.

Auf die Predigt folgte ein Vortrag des Jugendchors

Herr Haasler sprach das Abschlussgebet, Die Gemeinde bete miteinander das Vaterunser und sang sämtliche Strophen des Liedes „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ ähnlich begleitet wie zu Beginn der Andacht.

Frau Akkermann-Dorn erteilte den aaronitischen Segen.

Es folgte ein Vortrag der Sänger aus dem Gemeindechor (Paul Gerhardt, Befiehl du deine Wege) und das Lied „Nada te turbe“ (Gesang aus Taizé), gesungen und mit der Geige begleitet von Gundula Buitkamp (Reformierte Kirche), mit der Harfe begleitet von Silke Wegerich (Neuapostolische Kirche).

Der Gemeindevorsteher Hirte Poggemöller dankte den Gästen.

Es folgte ein kurzer Hinweis, dass in der Reformierten Kirche am Abend des 28. April um 20.15 ein Gottesdienst zum Thema „Tatort Bibliothek – Kriminalgeschichten aus der Bibel“ stattfindet.

Viele Teilnehmer machten von dem Angebot Gebrauch, bei Getränken und Gebäck miteinander zu sprechen.